![]() | 16. März 2011 Übung oder Erfahrung - was bringt mehr? Auf den Gedanken das hier mal zum Thema zu machen, brachte mich ein anderes Mitglied hier aus der Gruppe. Für die Sicherheit auf dem Schiff. Was bringt mehr? Übung oder Erfahrung? Klar sagt jetzt jeder, das eine bedingt das andere.... Erfahrung ist das Wichtigste!!! Ich möchte aber etwas tiefer in die Problematik einsteigen. Wenn ich mein Segelleben mal Rückblickend betrachtet wurde und werde ich mit zunehmender Erfahrung, weil ja nie was "Erntes" passiert sagen wir mal Leichtsinniger! Die Erfahrung sagt mir ja... geht eh gut... Da sehe ich keine Gefahr.... Es geht immer alles gut, also keine Gefahr... der nächste Schritt ist... Gefahr gibt es nicht... kommt doch mal ne kritische Situation kann es beim Lösen der "Unvorhergesehen Gefahrensituation" zu Problemen kommen. So und jetzt sind wir beim Thema Üben! Üben und durchdenken vom "Worstcase"! Wer macht das schon...??? Und ich rede jetzt nicht von 6 kn Wind, Sonnenschein, und wir werfen mal ne Boje in Wasser und spielen "MOB"!!! Wie in vielen anderen Bereichen habe ich mir angewöhnt ein möglichst realistisches Ernstfalltraining immer mit meiner Crew zu machen und auch bestimmte Szenarien durchzusprechen und zu Üben. Wie haltet ihr das? |
![]() | 16. März 2011 Denke schon! Klar hofft niemand auf den Erstfall! Ich persönlich bin aber der Meinung Üben muss schon sein--vor allem wenn man Neulinge oder nicht sichere Personen mitnimmt. Da sollten schon nicht nur ein paar Worte gewechselt werden "was passiert wenn" sondern da sollten es schon ganz klare Ansagen geben und vor allem auch Praxiseinsatz. Und für die jenigen die schon alte Hasen sind oder meinen sie wissen eh schon alles die dürfen bei mir gerne vormachen. So das war mal mein Standpunkt! |
![]() | 16. März 2011 Bei uns kommt es immer auf´s Revier an Bei Tagestörns oder Kurzreisen entlang der Küste behelligen wir die Gäste nicht mit stundenlangen Übungen, Wantenschußgerät und Ringelpietz. Da wir immer mit wenigstens zwei volltauglichen Schiffsführern fahren m ü s s e n, reicht es also beim "buchteln", wenn jeder der Gäste weiß, wie der Motor ausgeht, wo die Fender hängen und wozu sie da sind, was abläuft, wenn einer ins Wasser fällt, es raucht oder die Bodenbretter aufschwimmen. Eine Sicherheitseinweisung erfolgt natürlich auch bei Kurztrips. Da ist es für die "Schiffsführung" wichtiger, dass die Gäste auch sagen, wenn Ihnen etwas "komisch" vorkommt. Lieber einmal zuviel gefragt, als einmal zu wenig... Auf Langtörns, bei denen es mehr als "eine Meile" von der Küste weggeht, wird auch bei uns geübt und Standardsituationen durchgespielt. Wichtig ist hierbei, dass jeder an Bord weiß, wer den Hut aufhat, und wer in der Hierarchie der nächste Hutträger ist, falls der "guru" außer Gefecht ist. Das geht so lange, bis jeder an Bord das Grundprinzip verstanden hat. Wenn das der Fall ist, hat man im Ernstfall auch keine Probleme mit der Crew. Wenn etwas unvorhergesehenes passiert, ist es ohnehin ein Ereignis, welches so wie es eintritt sicher nicht "geübt" wurde. Wenn dann aber jeder das tut, was erforderlich ist, kommt man auch gemeinsam an. Überführungen und "richtige" Langfahrten mache ich nicht mehr mit zahlenden Gästen. Wenn nach vier Tagen das Wasser rationiert werden muß, kommt die Gefahr nicht mehr zuerst von den Elementen sondern lauert in der Koje Ahoi von Steffen |
![]() | 16. März 2011 Um ehrlich zu sein: Notfallübungen machen wir eigentlich nie. Selbst MOB-Manöver üben wir nicht, von anderen weniger standardmäßigen Situationen ganz zu schweigen. Ich will nicht sagen, dass das richtig ist - aber es ist halt einfach so. Ist wie beim Erste-Hilfe-Kurs: klar müsste man ab und an mal üben, wie das mit der stabilen Seitenlage ist, aber machen tut es kaum einer. Ich höre jetzt den entsetzten Aufschrei der politisch korrekten. Aber es ist wie beim 2x (odeer gar 3?) mal täglich Zähneputzen: Um Gottes willen, da darf man keine Kompromisse machen! Aber die Zahlen über den Zahncremeverbrauch zeigen, dass im Schnitt weit weniger als 1 mal täglich tatsächlich geputzt wird. Soviel zum Üben. Kommen wir zur Erfahrung. Aus der Erfahrung heraus weiss ich über die Jahre und über die zigtausende gefressener sm, wie wir uns an Bord verhalten müssen, dass wir gar nicht erst in eine gefährliche Situation kommen! Man entwickelt sichere Verhaltensweisen (triviales Beispiel: wie muss ich mich an Bord bewegen), die Gefahrensitautionen in ihrer Wahrscheinlichkeit minimieren - und das ist wahrscheinlich im Effekt wesentlich wichtiger, als den Umgang mit eingetretenen Notfallsituationen vorher zu üben |
![]() | 16. März 2011 beides zusammen gibt eine gute Suppe, finde ich. Leider ist es schon eine Weile her aber wenn ich einen Mädelstörn auf die Beine gestellt habe, galt der erste Tag immer dem Kennenlernen des Bootes. Wir sind also auf kleinem Raum hin und hergeschippert, haben ein paar Manöver durchgespielt, jeder musste mal an jede Position. Dann musste jeder mal den Motor an und wieder aus machen und wir haben mal eine Trockenübung "Skippiline über Bord" gemacht. Vorher durchgesprochen hat das an Bord einfach für weniger Ängste gesorgt. Die Mädels wussten wenigstens ungefähr was wichtig ist und was mach ich zuerst wenn die Frau am Ruder auf einmal hinter dem Boot rumpaddelt. Nun waren wir immer in Friesland, da ist die Gefahr nicht ganz so groß aber trotzdem haben wir das bei jeden Törn erstmal durchexerziert. Unter anderem konnte ich so auch ein wenig mit dem gecharterten Boot rumspielen und es kennenlernen. lg Nebeltanz |
![]() | 16. März 2011 Nun Du hast schon recht es ist ein Thema. Vor allem in dem Augenblick wo man sagt es kann ja EH NICHTS PASSIEREN. So blauäugig sollte man nicht sein. In meiner ganzen zeit als Segler in Freizeit, Beruf oder im Leistungsbereich, habe ich NIE den respekt verloren. Ich bin schon fast aus Masten gefallen, Bin in Masten gestiegen die dann sec später nachdem ich wieder unten war gebrochen sind oder mußte in Riggs um Segel loszuschneiden. Ich denke das ich nie wirklich angst hatte, aber immer den nötigen Respekt und ich denke der hat mir schon ein paar mal auch das Leben gerettet. Man kann an ganz interessanten Schulungen teilnehmen und ja es kommt ein unglaublicher druck auf obwohl man weis das es ja in einem Schwimbad ist und das alles gestellt ist. Ich denke die quintesenz ist, dass man ab und an Situationen durchspielen sollte um nicht völlig kalt erwischt zu werden, aber man braucht es auch nicht zu übertreiben . Also Mast und Schotbruch und ne SUPER Saison 2011 LG Thorsten |
![]() | 16. März 2011 was ich gelernt habe bzw Übe Ja, den alten erfahrenen Hasen passiert eh nix... Ein paar Beispiele: Mir ist mal passiert: Überführung Karibik, nur Inselhopping.... normale 1,5m Welle und mußte Gegenan unter Motor und Segel.... Dieselfilter versulzt wegen Bakerterien.... war nicht so einfach bei Nacht ohne richtiges Licht.... dachte mir... hätte ich das mal öfter geübt.... jetzt bin ich Schneller....dank Übung. Rettungsübungstag für Rettungsinsel: Gar nicht so einfach mit vollem Ölzeug und Rettungsweste bei Wellen seinen Arsch in die Rettungsinsel zu bekommen... weiß jetzt wie es geht und habe Übung... Handfackel zünden und Notsignale geben, kann ich jetzt auch ohne dabei mir die Hand bzw den Arm zu verbrennen.... ist auch nicht ohne.... Rettungsweste bei Nachtfahrt und leichter Welle mit Notblitzboje über Bord geworfen, außer Sicht gefahren und dann gesucht und geborgen.... Sicher hängt es vom Seegebiet ab und vom Wetter, wenn ich wie auf der Ostsee nicht viel Welle hab... und immer Land in Sichweite ist... Handyempfang... dann mach ich mir auch keinen Kopf...und in Dänemark wenn ich mich richtig Entsinne, mußt sogar bei Null Wind und Welle auf Deck immer die Rettungsweste tragen...da wird die Schiffseinweisung und Notrolle bestandteil des Unterhaltungsprogramms.... |
![]() | 16. März 2011 Wir verneigen uns vor den HochseeSalzbuckeln |
![]() | 16. März 2011 Also ich übe immer mit meiner Crew, bin auch immer nur mit Familie unterwegs. Habe in meinem selbst entworfenen Logbuch eine eigene Seite mit Sicherheitsübungen. Ich fahre jeden Tag mit dem Auto, aber nur ca. 20 Tage im Jahr mit dem Schiff. Daher sind auch für mich die ersten Stunden eines Törns immer Übungsstunden um wieder mit dem Boot vertraut zu werden. Jeder muß den Motor anlassen und steuern können, auch meine beiden Kids (9 Jahre). Weiters bekommt jeder eine "Notfallrolle" zugeteilt. So weis jeder was er im "Falle eines Falles" zu tun hat. lg Ritschie40 |
![]() | 16. März 2011 Ich bin u.a. auch als Skipper für Jugendgruppen tätig hin und wieder. Dabei bedingt Übung und Erfahrung sich gegenseitig, weil wir verschiedene schwierige Situationen (nicht nur Mann über Bord, sondern z.B. auch Anbordnehmen, Freikommen, Ankern, Schleppen oder Hilfeleistung für andere Boote) immer wieder bei verschiedenem Wetter üben. Durch dieses Üben haben wir dann auch Erfahrung, wenns drauf an kommt. Das gab den Jugendlichen zudem auch ein gutes Maß an Selbstsicherheit in den Situationen, in denen es bereits drauf an kam... wie z.B. das Freischleppen einer Jacht auf Legerwall mit eigenem, wesentlich kleinerem Boot oder Anlegen unter Segeln in der Box bei Halbwind 6-7, nachdem kurz vorher die Außenborderhalterung ihren Geist aufgab... Außerdem ist es auch immer wieder schön, wenn eine Prüfung von 16- und 17jährigen mit einem Lob des Prüfers beendet wird |
![]() | 17. März 2011 Überwiegend seglen wir ja alleine. Oft der Schatz auch ganz alleine. Da wird nix geübt. Da ich (der Schatz) das Boot zu einem großen Teil selbst gebaut habe (Elektrik, Antrieb, Steuerung, stehendes und laufendes Gut, etc.), kenne ich mich auf meinem Boot aus. Und nach den ganzen tausenden Meilen auf dem Schiff, kenne ich jedes Geräusch und jede Bewegung. Daher übe ich nix. Sind mal Gäste an Bord kläre ich folgende Dinge ab: 1) Jeder bekommt seine eigene Rettungsweste, legt sie mit mir zusammen an und bekommt die Funktion erklärt. Jedes Crewmitglied legt seine Rettungsweste wenn er / sie diese nicht trägt, immer selber weg, damit jeder weiß wo seine Weste ist. 2) Jeder an Bord muss wissen, wie die Motoren gestartet werden und wie sie funktionieren 3) Jeder muss wissen wie die Segel runter gehen. 4) Jeder an Bord muss wissen und akzeptieren das nur EINER das Sagen hat und das was dieser EINE sagt ohne zu hinterfragen im Notfall auch gemacht wird..........ob das dann im worstcase klappt wird man eh sehen müssen. Das wars denn auch schon. Von Boje über Bord und co bin ich weniger angetan. Eine Notsituation wird immer anders sein als sie übbar ist. Es hängt dann immer von der Psyche und Routiniertheit des einzelnen ab. Solange ich nicht selbst über Bord gehe oder aus einem anderen Grund total ausfalle, halte ich mein Schiff für sicher. Wir haben uns zusammen vorgenommen, beim nächsten Prüftermin der Rettungsinsel dabei zu sein um zu sehen wie die Funktion unserer!!!! Rettungsinsel ist. Wobei in der Theorie unser Schiff nicht untergehen kann, da unsinkbar........wenns denn stimmt!! Die ZweiSchaetze |
![]() | 17. März 2011 Bedenkt man, wieviele Sportboote so unterwegs sind, dann finde ich, dass wirklich wenig Unfälle passieren. Wenn etwas passiert, liegt es meist an 2 Dingen: Überschätzung der eigenen Fähigkeiten und Unterschätzung der Ansprüche, die Wind und Wellen an die Crew stellen. Dazu trägt vielleicht auch bei, dass viele Segler bei Erzählungen im Club oder bei anderen Gelegenheiten, gerne "noch einen drauflegen", wenn es ans Berichten über die eigenen Abenteuer geht. Da wird aus 6-7 Bft (was schon wirklich heftig sein kann) leicht eine 9-10, die Wellen erreichen enorme Dimensionen. Kann zur Fehleinschätzung bei Neulingen führen. (Die gibt es natürlich nicht wirklich Was das praktische üben von Notsituationen angeht - das muss natürlich jeder selber entscheiden, aber es ist nicht dumm, mal zu versuchen, an einem schönen Sommertag ein Crewmitglied mit Ölzeug und Schwimmweste, das sich "Bewegungsunfähig" stellt, wieder an Bord zu bekommen. Man lernt daraus. Oder mal zu probieren, ob es möglich ist, mit Ölzeug und Weste an über die Badeleiter an Bord zu kommen. Unser MOB-Manöver fahren wir oft mit einem Dummy aus 2 Autoreifen und einem Kugelfender - benimmt sich in etwa wie ein Mensch, was Driftverhalten und Hilfe beim Anbordnehmen angeht. Gute Frage ist auch, wie kriege ich bei 1m Freibord den Menschen zu fassen oder picke meine Rettungstalje bei ihm ein? |
![]() | 17. März 2011 @schöne Ansicht... ...ja wie man das halt so macht...;) Rettungstalje an der Nock des Großbaums befestigen, Haken der Rettungstalje in den Bootshaken klemmen und ihn mittels Boothaken in den Haken der Weste stoßen...;) Sollte das nicht auf Anhieb klappen einfach hin und wieder die Promillezahl erhöhen, das senkt die Frustrationsgrenze...;) LG TOM |
![]() | 17. März 2011 Tja, Floid, deshalb sollte man ja manch empfohlene "Bergungstips" mal bei gutem Wetter ausprobieren - damit man sich dann was passendes für das eigene Boot überlegen kann. Im Ernstfall (der natürlich nie eintritt, sonst würde viel mehr passieren), ist nicht viel Zeit zum ausprobieren. Es ist wirklich was anderes, einen Fender beim vorbeifahren mit dem Bootshaken an Bord zu nehmen, als 80Kg hilflosen Mensch über 0,8 -1,2 m Bordwand hochzuhieven. |
![]() | 22. März 2011 Praxistest Uns würde mal interessieren, ob jemand hier schon mal den Ernstfall "Mensch über Bord" auf einer Yacht bei Seegang und Starkwind bestehen musste? Wir zum Glück noch nicht, nur eben in Übungssituationen, die sich vom Ernstfall doch wahrscheinlich deutlich unterscheiden? In unserem Bekanntenkreis gabs allerdings eine solche Situation - die leider tödlich endete. |